10 Punkte, an denen Sie erkennen, ob Sie in guten Händen sind

(Der engagierte Mediziner, fachlich und menschlich, veröffentlicht im STERN vom 14.06.2017)

1. Respekt

Arroganz und Zynismus haben in Praxen und Krankenhäusern nichts verloren, egal, wie gestresst das Personal sein mag. Der Arzt sollte Patienten grundsätzlich signalisieren, dass er ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt und gern für sie da ist.

2. Zeit

Wenn der Patient sein Problem schildert und der Arzt eine sorgfältige Anamnese macht, braucht das Zeit. Lassen Sie sich nicht vorschnell unterbrechen oder mit Schnelldiagnosen abspeisen.

3. Unvoreingenommenheit

Ein Arzt sollte zuhören, hinsehen, nachforschen und offen sein für verschiedene mögliche Krankheitsursachen. Solange seine Diagnose nicht eindeutig ist, sollte er immer auch in Betracht ziehen, dass noch etwas anderes als Grund dahinterstecken könnte.

4. Augenmaß

Ein guter Mediziner ist in der Regel nicht zufrieden, bevor er eine schlüssige Antwort gefunden hat. Allerdings kann zu viel Diagnostik Patienten auch schaden – psychisch wie physisch.

5. Übersetzungsarbeit

Eine wichtige Voraussetzung für die Therapie ist, dass Ärzte in einer für Laien verständlichen Sprache ihren Patienten erklären, worunter sie leiden. Aus einer Studie ist bekannt, dass die Gesundheitskompetenz bei fast 60 Prozent der gesetzlich Versicherten „problematisch" oder gar „unzureichend" ist.

6. Augenhöhe

Ein guter Mediziner bezieht seine Patienten in Entscheidungen mit ein. Er klärt sie über Vor- und Nachteile von Therapien oder Operationen auf und gibt ihnen die Möglichkeit, mit zu entscheiden.

7. Grenzen

Falls die Diagnose nicht eindeutig ist oder eine Therapie nicht anschlägt, spricht es für die Souveränität des Arztes, wenn er Sie zu einem Fachkollegen überweist oder sich mit anderen Spezialisten austauscht.

8. Erfahrung

Wer etwas häufig macht, kann es besser als andere. Diese Regel gilt auch für Mediziner. Bei speziellen Therapien oder Operationen sollten Patienten fragen, wie viel Erfahrung ein Arzt mit der Methode hat.

9. Bewertung

Onlinebewertungen sind häufig problematisch. Auf seriösen Portalen wie der Weißen Liste und jameda kann man Ärzte jedoch nach verschiedenen Kriterien und Fachrichtungen suchen und persönliche Erfahrungen der Patienten nachlesen.

10. Patientenwohl

Bei einem Arzt, der immer wieder sogenannte IGeL-Leistungen verkaufen will, ohne zu erklären, warum die gesetzlichen Kassen nicht für die Kosten aufkommen, steht das Patientenwohl womöglich nicht an erster Stelle.